http://www.schoenengrund.ch/de/300/geschichtliches/welcome.php
13.11.2019 18:51:33




Logo

Die Loslösung von Urnäsch - Schönengrund wird eigenständig!

Nachdem der Grosse Rat in den Jahren 1680 und 1700 die Begehren der Hinterhammer zum Bau eines eigenen Gotteshauses abgewiesen hatte, stand er dem dritten Ansinnen an der Herbst-Landrechnungsversammlung vom 22. bis 26. November 1719 wohlwollend gegenüber, verlangte aber, dass die sieben reichsten Anwohner hinter dem Hamm die volle Bürgschaft für den Kirchenbau übernahmen und dass sich die Hinterhammer mit ihrer Muttergemeinde Urnäsch über die Grenzen des künftigen Kirchbezirks einigten. Schon wenige Tage später lag die geforderte Bürgschaft vor und am 3. Dezember 1719 mussten die Haushaltsvorstände für sich und alle unter ihrem Dach wohnhaften Hausleute ihre künftige Pfarreizugehörigkeit bekannt geben. In der Folge stimmte auch die Landesregierung dem Hinterhammer Projekt zu, steuerte einen Baukostenbeitrag von 500 Gulden bei und erlaubte die Durchführung einer breitangelegten Kollekte.

Die Grundsteinlegung für den Kirchenbau erfolgte am 4. Mai 1720. Bereits fünf Monate später stand das Gotteshaus – mit einem wohl etwas kurz geratenen Turm und noch ohne Innenausbau – aber es war fertig und konnte eingeweiht werden. Nebenbei wurde übrigens gleich auch noch das Pfarrhaus mit integrierter Schulstube erstellt! Am 30. Oktober 1720 konnte, nachdem bereits fünf Wochen zuvor die erste Taufe darin stattgefunden hatte, die Schönengründler Kirche zusammen mit derjenigen von Waldstatt eingeweiht werden.

Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch noch keineswegs klar, ob Schönengrund auch die politische Selbständigkeit erlangen sollte. Die Landesregierung hatte nämlich im November 1719, anders als im Fall von Waldstatt, erst die Zustimmung zur Wahl von drei eigenen Ratsherren, nicht aber von eigenen Hauptleuten gegeben. Dank den hohen Zuwendungen von auswärts konnte ein eigenes Kirchhörivermögen gebildet und der Schritt zur vollständigen Unabhängigkeit gewagt werden. An der Frühlings-Landrechnung in Hundwil gab der Grosse Rat Ende April 1921 die Erlaubnis zur Abhaltung einer ersten Kirchhöriversammlung (Gemeindeversammlung) in Schönengrund und gestattete die Wahl eines Kollegiums aus zwei Gemeindehauptleuten und vier Ratsherren. Am 7. Mai 1721 wurde die Versammlung unter der Aufsicht von Landesstatthalter Mettler aus Urnäsch durchgeführt.

Am 22. November 1722 wurde mit der Unterzeichnung einer umfassenden, von der Landesregierung Appenzell Ausserrhoden verfassten Urkunde die Eigenständigkeit von Schönengrund besiegelt. Das Dokument enthält nebst einer detaillierten Beschreibung des Grenzverlaufes auch alle bis dahin getroffenen Vereinbarungen zur Teilung von Kirchengut, Armengut und Kirchhöri-Bauhölzern, die Nutzungsberechtigung an den Urnäscher Gemeinwerken, sowie die Regelung des sogenannten Einzugsgeldes (Niederlassungsgebühr).

Quelle: Buch ‘Schönengrund – Die Gemeinde am Hamm‘, von Th. Fuchs (1995) © 1995 Einwohnergemeinde Schönengrund